Anleitung: Leinwand selber bauen (Schritt für Schritt)

Du möchtest deine Leinwand selber bauen? Wunderbar! Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie du deine eigene Leinwand bauen kannst und was du für dieses Projekt benötigst. 

Meine erste Leinwand habe ich im peruanischen Dschungel gebaut. Damals konnte ich (mitten im Dschungel) keine fertigen Leinwände kaufen, also lernte ich, selber eine Leinwand zu bauen. Seit diesem Moment bereite ich meine Leinwand immer selber vor, auch wenn ich in Deutschland bin und mir auch eine fertige Leinwand kaufen könnte.

Leinwand selbst bauen
Meine erste selber gebaute Leinwand im Dschungel von Peru

Ich persönlich liebe dieses Handwerk. Es ist das Fundament für mein späteres Werk. Bevor ich den ersten Pinselstrich male, kann ich mich mit der Leinwand verbinden, es ist fast schon eine meditative Arbeit. Ich glaube fest daran, dass, wenn ein Künstler seine Leinwand selbst baut, das Werk eine besondere Energie besitzt.

Am meisten Sinn macht es, eine Leinwand selbst zu bauen, wenn es sich um ein unübliches bzw. großes Format handelt. 

Materialien und Zubehör

Stellt sich die Frage: Welche Materialien und Werkzeuge benötige ich für den Bau einer Leinwand?

Du brauchst im Detail:

Keilrahmenleisten* für die Außenseiten
– Ggf. Zwischenleisten für größere Formate
– Hammer (bestenfalls einen Gummihammer*)
– Schleifpapier
Leinwandstoff*
– Schere
Tacker und Klammern*
– Ggf. einen Cutter
Gesso* (weiße Grundierfarbe) 

Zubehör: Leinwand selbst bauen
Zubehör für den Bau einer Leinwand

Anleitung: Leinwand selber bauen

1) Keilrahmen bauen

Als erstes baust du deinen Keilrahmen mit den Leisten zusammen. Diese hast du entweder online bestellt oder in einem Kunstfachgeschäft gekauft. Ich benutze i.d.R. die üblichen Leisten "classic 45". 

Keilrahmenleisten classic 45
Keilrahmenleisten "classic 45"

Beachte, dass der vorstehende und gewölbte Rand die Vorderseite darstellt und du alle Leisten zu einer Seite ausrichtest. 

Keilrahmenleisten sind bereits so konzipiert, dass du sie problemlos ineinander stecken kann. Am besten machst du das Stück für Stück, also Ecken ineinander schieben (sowie Zwischenleisten wenn nötig) aber nicht gleich zu fest. Wenn der Rahmen steht, kloppst du behutsam Seite für Seite gegen die Leisten, sodass sie sich gleichmäßig zusammen fügen. 

Die dünnen Eckteile, die du beim Kauf dazu bekommst, kannst du aufheben aber für den Bau der Leinwand erst einmal ignorieren. Man benötigt diese Teile eigentlich nur, wenn man eine bestehende Leinwand mehr spannen bzw. straffen möchte. 

Ich habe mir angewöhnt, die Ecken noch mit Schleifpapier zu bearbeiten. Manchmal sind die Ecken sehr spitz oder haben schroffe Kanten. Das kann verursachen, dass sich der Leinwandstoff beim Bespannen an dieser Stelle später reißt. Sicher ist sicher. 

Fertiger Keilrahmen
Der Keilrahmen steht!

2) Keilrahmen mit Stoff bespannen

Wenn du den Keilrahmen zusammen gebaut hast, kannst du deinen Leinwandstoff ausrollen und den Rahmen darüber legen. Jetzt schneidest du mit deiner Schere den Stoff zu. Dabei ist der Stoff 5 bis 10 Zentimeter breiter als der Rahmen. Ich bin beim Zuschneiden großzügig. Erst einmal ist es leichter, den Stoff beim Bespannen mit den Händen zu greifen, wenn mehr davon da ist, außerdem kann ich überschüssigen Stoff nach dem Bespannen einfach wegschneiden.

Nachdem der Stoff zugeschnitten wurde, solltest du darauf achten, dass die hervorstehenden, gewölbten Kanten auch nach Vorne ausgerichtet sind. Diese Erhöhung sorgt dafür, dass der Stoff nicht zu nah am Holz liegt und beim Malen später keine Abdrücke zu sehen sind. 

Jetzt bespannst du den Rahmen mit dem Stoff und wechselst dabei von Seite zu Seite. Ich benutze hierfür einen Tacker und Klammern. Andere Künstler verwenden auch kurze Nägel und einen Hammer. Ich starte immer mittig an der längsten Seite. Ich befestige den Stoff mit dem Tacker (3 bis 5 Zentimeter Abstand) und wechsle dann auf die andere Seite. Jetzt spanne ich zum ersten Mal den Stoff und wechsle dann zu den kürzeren Außenseiten. Zu Beginn zieht der Stoff Falten aber das ändert sich mit der Zeit. Wichtig ist, dass man jedes Mal den Stoff kräftig zieht (am besten siehst du das natürlich oben in meinem Video).

Wenn du bei den Ecken ankommst, faltest du den Stoff ordentlich, sodass die Außenseiten möglichst glatt sind. Du befestigst den übereinander geschlagenen Stoff mit einer Klammer. 

Wenn der Keilrahmen fertig bespannt ist, kannst du überschüssigen Stoff einfach abschneiden. Für einen geraden Schnitt kannst du auch einen Cutter verwenden, der hinterlässt natürlich einen Mini-Schlitz im Rahmen, mich persönlich stört das nicht sehr, dann letztlich sieht die Rückseite der Leinwand ja niemand.

Übrigens, mach dir keine Gedanken über Falten, die nach dem Bespannen der Leinwand zu sehen sind. Diese werden durch das Grundieren im nächsten Schritt ausgemerzt. Überhaupt sorgt die Grundierung mit Gesso dafür, dass die Leinwand noch straffer ist. 

Leinwand mit Stoff bespannen
Keilrahmen mit Stoff bespannen

3) Leinwand grundieren

Last but not least: Jetzt wird die Leinwand mehrmals grundiert, und zwar mit Gesso. So nennt man professionelle weiße Grundierung, die sowohl für Acryl wie auch für Ölfarbe geeignet ist. Am leichtesten grundiert es sich mit einem großen Pinsel, desto größer die Leinwand, desto größer der Pinsel natürlich. 

Beim ersten Auftrag benötigst du deutlich mehr weiße Grundierung als beim zweiten Auftrag. Das liegt vor allem daran, dass der Stoff die Farbe aufsaugt. Es ist wirklich wichtig, mindestens zwei Mal, wenn nicht sogar drei Mal die Leinwand zu grundieren. Das sorgt für einen intensiveren Farbauftrag und dass die Farbe besonders gut deckt. 

Leinwand grundieren
Leinwand mit Gesso grundieren

Y voila – so kannst du also deine Leinwand selber bauen :-)

Hast du schon einmal eine Leinwand selber gebaut? Was sind deine Erfahrungen und Tipps? Hinterlasse sie gern in den Kommentaren.

 

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