Kakao Illustration: Wie Peru mein Bewusstsein für Schokolade geändert hat

Kakao, was verbindest du mit Kakao? Wahrscheinlich Schokolade. Zarte, herbe Süße. Purer Genuss. Auch ich liebe Kakao, Schokolade ... für mich ist Kakao ein Mittel, um mich am Glück zu berauschen.


Doch die Art wie ich Schokolade konsumiere, hat sich in den letzten Jahren verändert. Genauer gesagt, in der Zeit, in der ich in Peru lebte.

Peru Kakao

In Peru bin ich durch tropische Bergwälder gestiefelt, bin auf knochige Äste getreten, über matschiges Laub gelaufen, habe mir vor feuchter Hitze die Schweißperlen von der Stirn gewischt und habe vor lauter Moskitos wild um mich geschlagen. Dann mitten im Regenwald stand ich unter Schatten spendenden Bäumen, rostrote, schrumpelige Früchte hingen von den Ästen, die Kakaofrucht.

Ich öffnete diese Frucht, probierte das weiße Fruchtfleisch, süß und klebrig. Keine Spur von Kakao beziehungsweise Schokolade.

Kakao Illustration malen

Gemeinsam mit einem peruanischen Kakaobauern ernteten wir ein paar Früchte und kehrten auf einem anstrengenden Fußmarsch zurück in sein Dorf. Dort angekommen, wurden die Kakaobohnen in die pralle Sonne gelegt, wo sie tagelang vor sich hin gärten. Ihre Farbe veränderte sich, von hellgelb hin zu braun, welches leicht Lila schimmerte. Zeitweise roch das ganze Dorf unangenehm nach dieser stechenden Fäulnis. Wieder kein Zeichen von Schokolade ...

Tage später wurden die Bohnen geschält, geröstet und dann gemahlen. Alles per Hand, mit einfachsten Geräten. Kakaopulver trennte sich von Kakaobutter.

Kakaobohnen Peru

Und dann, mit einem Lachen im Gesicht überreichte mir der Kakaobauer ein Stück Schokolade. Es hatte die Form eines Herzens, in Papier verpackt. Vor meiner Nase versprühte sich ein erdiges Aroma, ich ließ mir einen Bissen auf der Zunge zergehen. Ich schmeckte den gesamten tropischen Regenwald, ich schmeckte Liebe, die Energie und den Fleiß, wodurch dieses Stück Schokolade entstand.

Es waren zwei Zutaten. Zwei Zutaten formten diesen Genuss. Es war reinster Kakao und etwas Honig.

In diesem Moment änderte sich meine Sicht auf Kakao und Schokolade für immer. Früher hatte ich ein sehr schlechtes Gewissen, wenn ich Schokolade aß. Heute ist das anders. Heute ist Schokolade mein Energielieferant. Vorausgesetzt ich entscheide mich für die dunkle Bio-Schokolade mit möglichst hohem Kakaoanteil. Ja selbst die mit 99% – ein absoluter Gamechanger.

Wenn ich Schokolade esse oder trinke, dann denke ich an Peru. Ich sehe den tropischen Wald und höre die Tiere. Ich denke an den jungen Bauern und seine Familie. Ich bin dankbar, dass ich in den Supermarkt gehen und mir Schokolade kaufen kann, wann immer ich möchte. Denn heute weiß ich, das ist keine Selbstverständlichkeit.

Kakao Illustration

Nora Teichert

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